Epidermitecture bei StiltLife – Wenn die Fassade zur aktiven Haut wird

Die Bilder zeigen Aufnahmen aus dem Heimatmuseum in Bad Tölz, wo die Holzer vor einem sogenannten “Kobel” entspannen, welcher ausschließlich aus Rinde und Hölzern aus dem Wald besteht. Eine sehr ursprüngliche Art der Epidermitecture.

usprüngliches Foto: Matthäus Krinner, Stadtmuseum Bad Tölz

Bei stiltlife verstehen wir die Gebäudehülle nicht als starre Außenwand, sondern als funktionale, schützende und regulierende Schicht – vergleichbar mit der menschlichen Haut. Diese Idee aus der Epidermitecture bildet die Grundlage für die Entwicklung unseres Prototyps und prägt Materialwahl, Konstruktion und Teststrategie.

Statt einer rein trennenden Fassade setzen wir auf eine Gebäudehülle, die aktiv zum Raumklima beiträgt. Sie soll nicht nur vor Witterung schützen, sondern Temperatur ausgleichen, Feuchtigkeit regulieren und ein angenehmes Innenraumklima unterstützen – mit möglichst geringem technischem Energieaufwand.

Für unseren Prototypen haben wir uns bewusst für eine Korkfassade entschieden. Kork ist ein natürlicher, nachwachsender Werkstoff mit hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften: Er ist wärmedämmend, diffusionsoffen, feuchteregulierend und gleichzeitig widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen. Damit erfüllt er zentrale Anforderungen an eine „epidermale“ Gebäudehülle – also eine Haut, die schützt und zugleich mit ihrer Umgebung interagiert.

Besonders wichtig war für uns die reale Erprobung unter anspruchsvollen Bedingungen. Der Prototyp mit Korkfassade war über den gesamten Winter hinweg in unserer Testaufstellung installiert. In dieser Phase konnten wir beobachten, wie sich das Material bei Kälte, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und wechselnden Wetterlagen verhält. Die Ergebnisse waren äußerst positiv: Die Fassade zeigte eine stabile Oberflächenstruktur, ein gutes Feuchtemanagement und trug spürbar zu einem ausgeglichenen Innenraumklima bei. Gleichzeitig bestätigte sich die robuste, wartungsarme Qualität des Materials im Außeneinsatz.

So wird die Fassade bei stiltlife nicht als dekorative Hülle verstanden, sondern als aktiver Bestandteil des Gesamtsystems. Sie übernimmt klimaregulierende Funktionen, unterstützt die Energieeffizienz des Moduls und stärkt den nachhaltigen Materialkreislauf durch den Einsatz eines biobasierten Baustoffs.

Epidermitecture ist für uns daher kein abstraktes Konzept, sondern ein praktischer Entwicklungsansatz: Unsere Stelzenmodule sind als lernfähige, anpassungsfähige Strukturen gedacht, deren „Haut“ eine zentrale Rolle für Komfort, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit spielt.